Vier Araber
Toreingang
Dorf mit Kirche am See (Hilterfingen)
Verschneite Häuser am Abend (Thuner See)

August Macke

Vier Araber

1914
Bleistift auf Velin (aus einem Notizblock)
14,5 x 8,8 cm


Die Zeichnungen der Tunisreise kennzeichnen eine außerordentliche Intensität und schöpferische Energie. Angetrieben von ungewohnten Eindrücken, zeichnet Macke wie im Rausch. Auch die hier vorgestellte Zeichnung „Vier Araber“ zeugt von dieser Dynamik und Schaffensfreude. Um den fremden Kontinent intensiv erleben zu können, zieht es den Künstler immer wieder zu den quirligen afrikanischen Märkten. Er hält die Umgebung fest, nicht nur mit Aquarellpinsel und Bleistift, sondern auch mit dem Photoapparat: Menschenstudien in Straßenszenen, Einzelportraits, Ansichten von Caféhäusern – aus dem Album Mackes sind viele dieser Bilder überliefert. Macke zeigt sich gefesselt vom photographischen Ausschnitt.
Ob auch die „Vier Araber“ mit einer Albumaufnahme zusammenhängen, ist nicht eindeutig zu klären. Und doch wirken Papierformat und Bildausschnitt, ja selbst die Anmutung einer leichten Unschärfe in diesem Blatt so, als wären sie einer – verwackelten – Photographie entlehnt.

August Macke

Toreingang

1914
Kohle, partiell gewischt, auf Velin (aus einem Skizzenbuch)
15,4 x 10,4 cm


August Macke

Dorf mit Kirche am See (Hilterfingen)

1914
Kohle, partiell gewischt, auf Velin
17,2 x 10,5 cm


Anfang Oktober 1913 ist Macke mit seiner Frau Elisabeth und den Söhnen Walter und Wolfgang von Bonn ins schweizerische Hilterfingen übergesiedelt. Die kleine Familie bewohnt dort das Haus Rosengarten, von wo aus man einen phantastischen Blick auf den Thunersee hat.
Beseelt von der neuen Umgebung, erkundet der Künstler zeichnend die Landschaft. Der Standpunkt auf dem Hügel, der den Baum als bildrahmendes Motiv mit einbezieht, findet sich in weiteren Zeichnungen aus der Zeit. Doch während der Künstler dort ein weites Panorama öffnet, konzentriert sich unsere Zeichnung auf die Architektur des mittig aufragenden Kirchturms, auf den der Blick durch die herabhängenden Zweige des imposanten Baumes fällt. Nur mit dem Schwarzweiß von Kohle und Papier versteht es Macke, einen bildnerisch verdichteten Eindruck der prägnanten Landschaft wiederzugeben.

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August Macke

Verschneite Häuser am Abend (Thuner See)

1914
Kohle, partiell gewischt, auf dünnem glatten Velin
10,8 x 17,5 cm


Über August Macke

Geboren: 1887 in Meschede
Gestorben: 1914 in Perthes-lès-Hurlus

Am 3. Januar 1887 im niederländischen Meschede geboren, wächst August Macke in Bonn und Köln auf. Mit 17 Jahren beginnt er sein Studium an der Kunstakademie und der Kunstgewerbeschule in Düsseldorf. 1907 reist Macke nach Paris, wo er die Malerei der Impressionisten sieht, die ihn fasziniert und beeinflusst. Zurück im Kaiserreich geht er nach Berlin und besucht für kurze Zeit die Malschule von Lovis Corinth. Nachdem er 1908 für ein Jahr als Freiwilliger Militärdienst geleistet hat, heiratet der Künstler Elisabeth Gerhardt. 1909 begegnet er in Tegernsee Franz Marc, mit dem ihn eine lebenslange Künstlerfreundschaft verbinden wird. Mit ihren farbintensiven, flächigen Formen zeigen Mackes Arbeiten aus dieser Zeit deutlich den Einfluß der Malerei von Matisse und Marc. 1911 schließt sich Macke Kandinsky und Marc an, die im selben Jahr unter der Bezeichnung "Der Blaue Reiter" Ausstellungen organisieren und den gleichnamigen Almanch herausgeben. Auf einer weiteren Parisreise mit Marc lernt er Robert Delaunay kennen, der ihn seinerseits später in Bonn in Begleitung von Guillaume Apollinaire besucht. Der Künstler setzt sich mit dessen orphistischer Malweise auseinander. Auch die Tunisreise mit Paul Klee und Louis Moilliet 1914 trägt dazu bei, dass sein ganz persönlicher Stil mit leuchtender, intensiver Farbigkeit und kristalliner Formgebung zur Vollendung kommt. Am 26. September 1914 fällt Macke an der Westfront in Frankreich mit 27 Jahren.