Frauenkopf
Maske und Blumen

Emil Nolde

Frauenkopf

1912
Holzschnitt auf festem Velin
30,2 x 22,3 cm


Unser Exemplar ist einer von mindestens 10 Abzügen des dritten Zustands.

Nach dem Originalholzschnitt wird der "Frauenkopf" im Oktober 1919 in der Zeitschrift "Der Anbruch" als ganzseitiges Titelbild publiziert.
Die Zeitschrift mit dem Untertitel "Flugblätter aus der Zeit" beabsichtigt und verkündet in ihren programmatischen Einleitungen das Bedürfnis der jungen Generation nach politischer und künstlerischer Erneuerung während des Ersten Weltkrieges. Die graphischen Beiträge expressionistischer Künstler machen dabei teils 50 Prozent des Umfangs aus und tragen so zur Etablierung der künsterlischen Avantgarde bei.

Emil Nolde

Maske und Blumen

1919
Öl auf Leinwand
49 x 42 cm


Noldes Gemälde zu dem Max Sauerlandt in seinem Buch 1921 ein Gegenstück benennt (WVZ Urban, Nr. 847), beeindruckt durch die überwältigende Leuchtkraft und eine außergewöhnliche, fast reliefartige Struktur.
Mit voller Wucht und Unmittelbarkeit trägt Nolde die Farben pastos auf die Leinwand und monumentalisiert seine Gegenstände. Eine exotische japanische Maske und ein Blumenstrauß, der auf einer gemusterten Tischdecke – vermutlich eine Webarbeit Ada Noldes – steht, bilden zusammen eines der typischen sog. "Stilleben" des Künstlers.
Dabei stellt Nolde bewußt dissonante Farben wie Orange und Rot sowie Glutrot nebeneinander und steigert diese Töne in Zusammenklang mit Blau und Violett zu einer ungehemmten und kontrastreichen Farbmagie, die die Realität bei Weitem übertrifft.

Das Werk gehört zu der Reihe der Bilder, die Noldes Auseinandersetzung mit anderen Ländern und seine Liebe außereuropäischer Kunst thematisieren. Fasziniert von der Kunst der „Primitiven“ entsteht nach Noldes Neuguinea-Expedition im Jahr 1913/14 eine ethnologische Privatkollektion mit hunderten Objekten, von afrikanischen Holzidolen über ozeanische Totems bis hin zu japanischen Nō-Masken (die dargestellte Maske befindet sich heute in der ethnographischen Sammlung des Künstlers in der Nolde- Stiftung, Seebüll).
Insbesondere die Maske spielt in Noldes Kunst eine wichtige Rolle, auch als Sehnsuchtsmotiv. Ein solcher Gegenstand inspiriert den Künstler zu kreativen Bildern in denen sich seine schöpferische Kraft und Genialität voll entfalten kann. Als Resultat sehen wir ein farbensattes Meisterwerk von musealer Qualität.

Über Emil Nolde

Geboren: 1867 in Nolde
Gestorben: 1956 in Seebüll

Emil Hansen, der später als Künstler den Namen seines Heimatortes Nolde annimmt, wird am 7. August 1867 im deutsch-dänischen Grenzland geboren. Seine künstlerischen Anfänge hat er mit Darstellungen von Bergtrollen und Fabelwesen, die als Postkarten verlegt werden, und mit denen dem jungen aus einer Bauernfamilie stammenden Künstler unverhofft ein erster Erfolg gelingt. Mit dem Entschluss Maler zu werden, geht Nolde nach München, wo er an der privaten Malschule von Adolf Hölzel in Dachau und ab 1899 an der Académie Julian in Paris studiert. Durch die Auseinandersetzung mit den Neoimpressionisten van Gogh, Munch und Ensor gelangt der Künstler ab 1905 von seinem anfänglich romantischen Naturalismus zu einem eigenständigen Stil, in dem die Farbe eine wesentliche Rolle spielt. Farbintensive leuchtende Blumenaquarelle entstehen. Während eines Aufenthaltes in Alsen 1906 lernt Nolde die „Brücke“-Maler kennen, deren Gruppe er sich vorübergehend anschließt. Nach dem Ausschluss von der „Berliner Sezession“, dessen Mitglied er seit 1908 war, gründet er 1910 mit anderen zurückgewiesenen Künstlern die „Neue Sezession“. Auch ist der Künstler zunehmend vom Primitivismus fasziniert; so bringt er 1913 von einer Expedition nach Neu-Guinea reiches Studienmaterial mit, das er in zahlreichen Werken noch bis 1915 verarbeitet. Die Sommer verbringt Nolde ab 1916 auf der Insel Föhr, 1928 läßt er sich in Seebüll nieder. Zur unerschöpflichen Inspirationsquelle seiner Malerei wird der dort angelegte Garten. Küsten, leuchtende Marsch- und Meerlandschaften und religiöse Szenen sind weitere wichtige Sujets, aber auch die weniger bekannten Berglandschaften, die aus den zahlreichen Urlauben in seine Wahlheimat Schweiz in den 1920er bis 40er Jahren resultieren.

Noldes Rolle während der Zeit des Nationalsozialismus wird seit Jahren von der kunsthistorischen Forschung, allen voran der Nolde-Stiftung umfassend beleuchtet. Bestrebungen des Malers, seine Bilder den nationalsozialistischen Machthabern als neue Volkskunst anzudienen und sich als Staatskünstler zu etablieren, werden von diesen kategorisch abgelehnt. Noldes Malerei ist weder inhaltlich noch formal mit den Vorstellungen der Nationalsozialisten vereinbar. Ab 1941 wird dem Künstler ein Arbeitsverbot auferlegt und tausende Werke werden beschlagnahmt. Trotzdem arbeitet Nolde während des Krieges kontinuierlich weiter. Da Malmaterial knapp ist, greift er auf das wenige Verfügbare und kleinere Formate zurück – die unter dem Begriff „ungemalte Bilder“ bekannten Werke entstehen ab 1931. Nach dem Krieg verfaßt Nolde seinen Memoiren und treibt damit auch die Mythenbildung um die eigene Person voran, die sein Bild für nachfolgende Generationen prägen soll. Die neueste Forschung zeigt diesbezüglich mittlerweile ein sehr differenzierteres Bild von der Person Emil Nolde und seiner politischen wie ideologischen Position – seine Kunst jedoch steht für sich und hat für heutige Betrachter nichts von ihrer faszinierenden Strahlkraft mit ihrer unverkennbaren Farbintensität eingebüßt.

In den letzten Lebensjahren Noldes entstehen vor allem Aquarelle mit Blumen- und Landschaftsmotiven aus der Umgebung seines Hauses in Seebüll, wo er 1956 verstirbt. Kurz darauf gründet sich die Stiftung Ada und Emil Nolde in Seebüll, die den umfangreichen Nachlaß verwaltet.