Meditative Landschaft

Herbert Beck

Meditative Landschaft

1997
Aquarell auf Velin
7,3 x 5,4 cm


Die ungeheure Strahlkraft der Beck‘schen Aquarelle erinnert keineswegs zufällig an die Arbeiten Emil Noldes: Herbert Beck ist fasziniert von Noldes expressionistischen Aquarellen und so läßt er sich von dessen Meisterwerken zu ganz eigenen, farbstarken Arbeiten inspirieren. Beck entwickelt und verfeinert seine Technik immer weiter bis hin zu einer virtuosen Beherrschung des Aquarell-Pinsels. Beispielhaft dafür ist unser farbstarkes, meditativ anmutendes Landschaftsaquarell. Es zeichnet sich durch eine tiefe Weite und leuchtende, lichte Farbigkeit aus, vegetative Formen werden zu einem expressiven Feuerwerk an Farbtönen – mystisch und magisch zugleich. Offen für unsere eigenen Assoziationen und Entdeckungen regen Becks träumerische Motive nicht zuletzt unsere Phantasie an und gleichzeitig lassen sie uns an der inneren Welt und dem Empfinden des Künstlers teilhaben.
Dem Motiv beigegeben ist ein Grußtext Becks auf einer Klappkarte an das befreundete Ehepaar Ahrens, in dem der Künstler u.a. eine Verzögerung seiner Ankunft auf der Insel Elba in Laigueglia, Italien, ankündigt. Dort verbringt er mehrere Monate des Jahres im Wechsel mit dem Atelier im Heimatort Tegernsee.

Der Grußtext lautet:
"Liebes Ehepaar Ahrens, herzlichen Dank für Ihre so liebe und verlockende Einladung. Nun sind wir immer noch nicht nach Laigueglia abgereist. Ein sehr bedeutender Kritiker wird morgen in mein Atelier kommen und heute ist ja die Eröffnung der Pels-Leusden Ausstellung in Rottach. So verschiebt sich unser Dortsein und wir werden erst kurz vor dem 11. Oktober zurückkommen. Sollten wir dann gekräftigt und erholt sein – was man ja in unserem Alter nicht unbedingt voraussetzen kann – würden wir gern zu Ihnen kommen. Wir rufen natürlich vorher an. Nochmals vielen Dank! Ihre Herbert und Gisela Beck"

Über Herbert Beck

Geboren: 29.01.1920 in Leipzig
Gestorben: 28.12.2010 in Tegernsee

Herbert Beck absolvierte in Leipzig zunächst eine Lehre als Goldschmied und nahm Zeichenunterricht bei Professor Max Schwimmer an der Kunstgewerbeschule für Graphik und Design. 1948, nach der Flucht aus der sowjetischen Zone an den Tegernsee, begann er als Autodidakt zu malen. In den 1950er Jahren stellte die Galerie Commeter in Hamburg seine Ölgemälde mehrmals aus. Auch Hanna Bekker vom Rath förderte Beck schon früh und richtete ihm in den 1960er Jahren mehrere Ausstellungen aus.

Die Bekanntschaft mit Emil Nolde beeinflusste Becks künstlerisches Schaffen. Fasziniert von der leuchtenden Farbkraft in Noldes Aquarellen begann Beck seine eigene, farbstarke Aquarell-Technik zu entwickeln. Auch in der Ölmalerei erzielte er durch extreme Verdünnung mit Terpentin einen aquarellhaften Charakter.

Becks Arbeiten stehen in einer deutschen Tradition des Expressionismus und weisen Tendenzen ins Mythische und Magische auf. Thematisch umfasst das Oeuvre Landschaften, Stillleben und figürliche Kompositionen. Religiöse Themen nehmen durch die Jahrzehnte hinweg immer wieder eine wichtige Rolle ein; die Auseinandersetzung mit seinen Kriegserlebnissen spiegeln sich in zahlreichen Werken wider. Auch Becks Vorliebe für Jazz und klassische Musik durchziehen als formale Inspiration das gesamte Werk.

In den späten 1970er Jahren entwickelte Beck eine spezielle Technik, die auf Zufallsprinzip beruhte. Daraus entstanden die “Miniaturen”, kleinformatige Aquarelle mit poetischem und narrativem Charakter.

1984 wurde Beck durch die vielen Jahre des Einatmens von Terpentindünsten während der Arbeit an seinen Ölgemälden ernsthaft krank. Nach seiner Genesung konzentrierte er sich nur noch auf die Aquarellmalerei. In den letzten Schaffensjahren entstand ein Zyklus von Aquarellen, die er „Gesichter der Welt“ nannte. Mit den oft schockierenden, entlarvenden Darstellungen von Tätern und Opfern formulierte er seine Idee vom Menschen im 20. Jahrhundert. Auch seine Landschaftsdarstellungen entwickelte er weiter zu den abstrakten, aus räumlichen Farbstufen bestehenden “Meditativen Landschaften”.

2010 verstarb der Künstler mit 90 Jahren in Tegernsee nach kurzer Krankheit.