Russisches Ballett II

Hermann Max Pechstein

Russisches Ballett II

1912
Aquarell, Tuschfeder und Goldfarbe auf Japan, auf cremefarbenes Velin aufgezogen
22,5 x 40 cm


Pechstein ist selbst ein leidenschaftlicher Tänzer. Seit 1908 besucht er die unzähligen Tanzfeste und Vorführungen der boomenden Varietés und Tanzcafés in Berlin.
So entsteht im Lauf der Jahre ein großartiges und umfassendes, 2019/2020 in der Ausstellung "Tanz! Max Pechstein: Bühne, Parkett, Manege" zelebriertes Spektrum an Tanzdarstellungen.
Unser exotisch anmutendes Aquarell ist nicht nur eine Vorstudie für eine Sequenz von sieben Radierungen mit gleichem Titel aus dem Jahr 1912, sondern legt auch einen spannenden Entstehungszusammenhang offen: Die damals in Europa gefeierte Tanzkompanie Diaghilevs, die „Ballets Russes“, präsentieren in Berlin u.a. das Drama "Kleopatra“, deren Inszenierung Pechstein selbst beiwohnt. Auf diesem Ereignis basiert unser exotisches Motiv.

Über Hermann Max Pechstein

Geboren: 1881 in Zwickau
Gestorben: 1955 in Berlin

Der 1881 in Zwickau geborene Pechstein beginnt 1898 eine Lehre als Dekorationsmaler, ab 1900 besucht er die Staatliche Kunstschule Dresden, wo er Meisterschüler wird.
1905 schließt er sich der Künstlervereinigung „Brücke“ an. Im Jahr darauf reist Pechstein für drei Monate durch Italien und bleibt neun Monate in Paris. Dort begegnet er u.a. den Fauvisten, die ihn und sein Werk künftig beeinflussen.
1908 zieht Pechstein nach Berlin und wird Mitglied der „Berliner Secession“.
Pechstein gründet wegen mangelnder Akzeptanz die „Neue Secession“, betreibt mit Kirchner das MUIM-Institut – Moderner Unterricht im Malen – und trennt sich 1912 von der „Brücke“.
Die Sommer 1909 bis 1912 verbringt Pechstein an den Moritzburger Seen und der Kurischen Nehrung in Ostpreußen. 1914 erfolgt ein Reise zu den Palau-Inseln in der Südsee, wo er aufmerksam die außereuropäische Kunst studiert, die ihn später künstlerisch inspiriert.
Nach seiner Rückreise 1918 gründet er zusammen mit anderen Künstlern die „Novembergruppe“.
Im Jahr 1923 ist Pechstein Mitglied der Preußischen Akademie der Künste und Professor – nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wird er dort jedoch ausgeschlossen und mit einem Mal- und Ausstellungsverbot belegt. Es folgt die Beschlagnahmung von insgesamt 326 Bildern aus den verschiedenen Museen. Ab 1939 bis 1945 folgen abwechselnde Aufenthalte in Berlin, in Leba und am Koser See. Max Pechstein stirbt am 29. Juni 1955 in Westberlin.