Rathausplatz
Kirche
Treptow an der Rega
Teltow, 1

Lyonel Feininger

Rathausplatz

1918
Holzschnitt auf Velin
21,2 x 16,7 cm


Einer von nur 5 bekannten Abzügen auf einem größeren querformatigen Bogen.
Auf einem der fünf Abzüge bezeichnet Feininger den Druck als "rare print, block destroyed".

Der Holzschnitt gehört zu den Arbeiten, die in der überaus fruchtbaren und wichtigen Schaffensperiode des Künstlers während seiner Harzreise 1918 entstehen. Feininger reist 1917 und 1918 in den Harz in die Umgebung von Braunlage, erkundet dort die reizvolle Berg- und Waldlandschaft und begibt sich – wie immer – auf intensive Motivsuche.
Mit dem Bleistift bewaffnet notiert er dort zahlreiche Dörfer, Kirchen, Waldlandschaften und Gebäude. Eine Zeichnung vom Juli 1918 zeigt vermutlich das Herrenhaus der Glashütte Röhrig, welches große Ähnlichkeit mit dem Gebäude auf dem Holzschnitt "Rathaus (mit einer Versammlung im Vordergrund)" von 1918 hat.
Dieser Holzschnitt ist eine nur leicht veränderte Version unseres "Rathausplatzes" aus demselben Jahr.

Lyonel Feininger

Kirche

1923
Farblithographie auf leichtem Karton (Postkarte)
15,2 x 10,7 cm


Karte 2 aus einer Folge von 20 Postkarten, die aus Anlaß der Bauhaus-Ausstellung in Weimar 1923 erscheinen.

Als erste große Mail-Art-Aktion werden von den Bauhaus-Meistern und Studierenden gestaltete Lithographien versendet. Feininger, der zu der Zeit künstlerischer Leiter der Druckwerkstatt des Weimarer Bauhauses ist, entwirft neben einer weiteren unsere wunderbare Karte mit dem Kirchturm - eine dynamische Komposition in den charakteristisch expressiven gesplitterten Formen, die am Fuß der Darstellung geschickt die Typographie in Flächen und Linien einbindet.

Lyonel Feininger

Treptow an der Rega

1925
Bleistift auf Velin (am Oberrand perforiert und vom Künstler gelocht)
20,5 x 14,1 cm


Unsere Zeichnung entsteht im Jahr der Schließung des Bauhauses in Weimar, 1925. Diesen Sommer verbringt Feininger wie schon im Jahr zuvor in Deep, das an der Mündung des Flüßchens Rega in Pommern an der Ostsee liegt. Er besucht u.a. die nah gelegenen Ortschaften Cammin, Greifenberg, Kolberg und „Treptow“.
Einmal mehr wird anhand dieser Zeichnung deutlich, wie reichhaltig und künstlerisch wertvoll die „Natur-Notizen“ Feiningers sind. Als eine Art Herzensangelegenheit des Künstlers haben sie grundlegende Bedeutung für sein Œuvre.

Lyonel Feininger

Teltow, 1

1914
Radierung auf Velin
17,9 x 23,6 cm


Die Druckplatte wurde Anfang der 1950er Jahre nach Paris gebracht und dort von Oxidationserscheinungen bereinigt. Im Anschluß daran wurde eine kleine Auflage von 25 Exemplaren für den Künstler abgezogen, zu der auch unser tadelllos erhaltenes Blatt zu zählen ist.

Die Radierung ist eine Neuinterpretation der leider verschollenen Fassung in Öl von 1912: "I commenced an etching last night […] of the church of Teltow after the same composition as the oil […].“ (Siehe WVZ).
Dabei stellt die Technik der Radierung den Künstler vor besondere Herausforderungen. Mit „Teltow, 1“ gelingt ihm jedoch ein Meisterstück, eine filigrane, nuancenreiche Radierung voller Transparenz. Die Realität wird zugunsten des expressiven Ausdrucks verzerrt. Wie neuartig und bedeutsam Feiningers Arbeit ist, verdeutlicht der Künstler selbst: „I have finished the etching of Teltow church, have washed it off and it looks promising. I think I have started on a new line of works with this one, no amalgamation, pure graphic without picturesque addition [...]“.

Über Lyonel Feininger

Geboren: 1871 in New York
Gestorben: 1956 in New York

Lyonel Feininger wird am 17. Juli 1871 in New York als Sohn eines Konzertgeigers und einer Sängerin und Pianistin geboren. Mit 16 Jahren begleitet er 1887 seine Eltern auf eine Konzertreise nach Europa. Mit Erlaubnis der Eltern besucht der junge Feininger zunächst an der Gewerbeschule in Hamburg die Zeichen- und Malklasse, ein Jahr später besteht er die Aufnahmeprüfung an der Königlichen Kunst-Akademie in Berlin, an der er von 1888 bis 1892 studiert. In Berlin beginnt Feininger früh für Zeitungen und Verlage zu arbeiten, die Nachfrage nach seinen Illustrationen und Karikaturen ist enorm. Ab 1905 widmet sich Feininger zunehmend druckgrafischen Methoden, wobei ein Großteil seiner herausragenden Holzschnitte erst zwischen 1918-20 entstehen, für die er noch heute als bedeutendster Holzschneider des 20. Jahrhunderts gefeiert wird. 1907 unternimmt er erste Versuche in der Ölmalerei, die anfangs noch deutlich impressionistisch-naturalistisch eingefärbt sind. Feiningers Weg vom gefragten Karikaturisten zum Künstler ist eine stetige Erprobung unterschiedlichster Techniken und künstlerischer Ausdrucksmittel und sollte erst durch ein Kubismus-Erlebnis 1911 in Paris in eine für ihn wegweisende Richtung gelenkt werden: Natüreindrücke müssten "innerlich umgeformt und crystalisiert [!]" werden, hat er schon 1907 in einem Brief an seine zweite Frau Julia festgestellt – eine Einstellung, die später in der geometrisch-reduzierten Bildlichkeit mündet. Und ein entscheidendes künstlerisches Kapitel einleitet, für das der Künstler bis heute Bewunderung findet: die Welt kristallin zu gestalten. 1917 findet dessen erste Einzelausstellung in der Berliner Galerie „Der Sturm“ statt, zwei Jahre später gehört er zu den ersten Meistern, die Walter Gropius 1919 ans Bauhaus beruft. Als Meister für die grafische Werkstätte entsteht im gleichen Jahr Feiningers berühmter Titelholzchnitt "Kathedrale" für das "Bauhaus-Manifest". 1926-33 lebt Feininger in Dessau, ist nach der Bauhaus-Umsiedelung zwar noch Meister, jedoch ohne Lehrverpflichtung. 1926 bildet er mit Klee, Kandinsky und Jawlensky die Gemeinschaft „Die Blauen Vier“. 1929-31 entstehen die ikonischen Halle-Bilder. 1937 verlässt Feininger Deutschland und kehrt in sein Geburtsland zurück. Ungefähr 400 seiner Werke werden von den Nationalsozialisten als „entartet“ beschlagnahmt. 1947 wird Feininger Präsident der “Federation of American Painters and Sculptors“. Am 13. Januar 1956 verstirbt Lyonel Feininger in New York City.