Merry Christmas (Three Figures)
Village
Windmühle in Werder
Treptow an der Rega

Lyonel Feininger

Merry Christmas (Three Figures)

Um 1950
Aquarell, Tuschfeder und Goldfarbe auf Velin
7,6 x 11,4 cm


Anfang der 1950er Jahre entstehen zahlreiche kleine, bunt aquarellierte Tuschfederzeichnungen, die lange unbekannt bleiben – sind die humorvollen, fröhlichen oder verschrobenen Strichmännchen doch ausschließlich als Geschenke an Familie oder Freunde bestimmt. Mit typischem kantigen Duktus bringt Feininger mit zarten Linien unsere drei Figuren zu Papier. Die typographische Bezeichnung 'Merry Christmas!' am oberen linken Rand läßt den Anlaß vermuten, zu dem die in Gelb, Orange und Blau gehaltenen Männekins entstanden sind.

Lyonel Feininger

Village

1908
Farbige Kreide auf dünnem Maschinenbütten
16,6 x 10,7 cm


Die Zeichnung "Village" stammt aus dem Jahr 1908, einem Zeitraum, der als Wendepunkt im Leben des Künstlers angesehen wird. Feininger zieht von Paris nach Berlin und wird im Verlauf des Jahres mit der Arbeit an seinen berühmten Grotesken- und Mummenschanzbildern beginnen. Er scheint sich gerade von einem äußerst innovativen Karikaturisten, zu einem eigenständigen Zeichner und Maler zu entwickeln. Das höchstwahrscheinlich zwischen Mai und August 1908 entstandene Blatt ist Teil einer Werkreihe figurativer Architekturzeichnungen, die den von Feininger stets angestrebten experimentellen und freien Umgang mit dem Zeichenstift offenbaren.

Lyonel Feininger

Windmühle in Werder

1918
Holzschnitt auf hellbraunem Durchschlagpapier
18,1 x 18,1 cm


Insgesamt sind nur drei Probeabzüge von dem später zerstörten Holzstock bekannt; unser Exemplar auf hafermehlbraunem Durchschlagpapier, ein weiterer auf gelbem Seidenpapier sowie ein Abzug auf lngres-Bütten.

Feininger besucht am 26. April 1912 mit seiner Frau das südöstlich von Berlin an der Havel gelegene Werder. Es mag sein, daß unser Holzschnitt auf diesem Erlebnis und einer Kohlezeichnung vom 6. Juni 1912 basiert.
Die im Druck dargestellte Windmühle, bekrönt von einem Wimpel, ragt ebenso wie in der Zeichnung monumental auf einer Anhöhe liegend empor. Sie ist leicht rechts außerhalb der Mitte platziert, darunter befinden sich mehrere Häuser.
In unserem kontrastreichen Exemplar des Druckes zeigt sich einmal mehr die typische kubistische Zersplitterung der Flächen und die Simultanität mehrerer Perspektiven, die den klassischen Feininger-Holzschnitt ausmachen.
Die Windmühle ist seit der Kindheit des Künstlers ein immer wieder präsentes Thema und für ihn von besonderer sinnbildlicher Bedeutung. So tritt das Motiv in Feiningers Werk z.B. in einem Cartoon, einer Postkarte, einer Lithographie, Radierungen, Zeichnungen, Aquarellen und Gemälden in Erscheinung.

Lyonel Feininger

Treptow an der Rega

1925
Bleistift auf Velin (am Oberrand perforiert und vom Künstler gelocht)
20,5 x 14,1 cm


Unsere Zeichnung entsteht im Jahr der Schließung des Bauhauses in Weimar, 1925. Diesen Sommer verbringt Feininger wie schon im Jahr zuvor in Deep, das an der Mündung des Flüßchens Rega in Pommern an der Ostsee liegt. Er besucht u.a. die nah gelegenen Ortschaften Cammin, Greifenberg, Kolberg und „Treptow“.
Einmal mehr wird anhand dieser Zeichnung deutlich, wie reichhaltig und künstlerisch wertvoll die „Natur-Notizen“ Feiningers sind. Als eine Art Herzensangelegenheit des Künstlers haben sie grundlegende Bedeutung für sein Œuvre.

Über Lyonel Feininger

Geboren: 1871 in New York
Gestorben: 1956 in New York

Lyonel Feininger wird am 17. Juli 1871 in New York als Sohn eines Konzertgeigers und einer Sängerin und Pianistin geboren. Mit 16 Jahren begleitet er 1887 seine Eltern auf eine Konzertreise nach Europa. Mit Erlaubnis der Eltern besucht der junge Feininger zunächst an der Gewerbeschule in Hamburg die Zeichen- und Malklasse, ein Jahr später besteht er die Aufnahmeprüfung an der Königlichen Kunst-Akademie in Berlin, an der er von 1888 bis 1892 studiert. In Berlin beginnt Feininger früh für Zeitungen und Verlage zu arbeiten, die Nachfrage nach seinen Illustrationen und Karikaturen ist enorm. Ab 1905 widmet sich Feininger zunehmend druckgrafischen Methoden, wobei ein Großteil seiner herausragenden Holzschnitte erst zwischen 1918-20 entstehen, für die er noch heute als bedeutendster Holzschneider des 20. Jahrhunderts gefeiert wird. 1907 unternimmt er erste Versuche in der Ölmalerei, die anfangs noch deutlich impressionistisch-naturalistisch eingefärbt sind. Feiningers Weg vom gefragten Karikaturisten zum Künstler ist eine stetige Erprobung unterschiedlichster Techniken und künstlerischer Ausdrucksmittel und sollte erst durch ein Kubismus-Erlebnis 1911 in Paris in eine für ihn wegweisende Richtung gelenkt werden: Natüreindrücke müssten "innerlich umgeformt und crystalisiert [!]" werden, hat er schon 1907 in einem Brief an seine zweite Frau Julia festgestellt – eine Einstellung, die später in der geometrisch-reduzierten Bildlichkeit mündet. Und ein entscheidendes künstlerisches Kapitel einleitet, für das der Künstler bis heute Bewunderung findet: die Welt kristallin zu gestalten. 1917 findet dessen erste Einzelausstellung in der Berliner Galerie „Der Sturm“ statt, zwei Jahre später gehört er zu den ersten Meistern, die Walter Gropius 1919 ans Bauhaus beruft. Als Meister für die grafische Werkstätte entsteht im gleichen Jahr Feiningers berühmter Titelholzchnitt "Kathedrale" für das "Bauhaus-Manifest". 1926-33 lebt Feininger in Dessau, ist nach der Bauhaus-Umsiedelung zwar noch Meister, jedoch ohne Lehrverpflichtung. 1926 bildet er mit Klee, Kandinsky und Jawlensky die Gemeinschaft „Die Blauen Vier“. 1929-31 entstehen die ikonischen Halle-Bilder. 1937 verlässt Feininger Deutschland und kehrt in sein Geburtsland zurück. Ungefähr 400 seiner Werke werden von den Nationalsozialisten als „entartet“ beschlagnahmt. 1947 wird Feininger Präsident der “Federation of American Painters and Sculptors“. Am 13. Januar 1956 verstirbt Lyonel Feininger in New York City.