Stilleben mit Früchten, Kanne und Tasse
Großes Stilleben (Vase mit Rosenstrauß, Dunkelrote Blume)
Variation: Schneeflocken

Alexej von Jawlensky

Stilleben mit Früchten, Kanne und Tasse

Um 1903
Öl auf Leinwand
36,5 x 28 cm


Unser frühes Stilleben ist zunächst ein wunderbares Beispiel für die expressionistischen Vorkriegsarbeiten des Künstlers, der sich von anfangs realistisch-naturalistischen Formen hin zu einer reduzierten, klaren und abstrakten Bildsprache entwickelt. Die herausragende koloristische Qualität, die kühne Progressivität in Bezug auf Komposition und Farbgebung kommt in unserem leuchtenden Gemälde ausgezeichnet zur Geltung.
Wir sehen anhand dieses beeindruckenden Stillebens, daß es Jawlensky von Anfang an nicht um formale Probleme geht, sondern um die Sichtbarmachung innerer Werte – die Farben sind Ausdruck einer immateriellen und geistigen Wahrheit.

Alexej von Jawlensky

Großes Stilleben (Vase mit Rosenstrauß, Dunkelrote Blume)

1937
Öl auf festem, strukturiertem Karton, auf Holzpassepartout aufgezogen
55,2 x 34,1 cm


Der flirrenden Farbigkeit und eindringlichen Stimmung unseres Blumenstilleben kann man sich kaum entziehen: Die in allen Facetten von Blau und Grün changierenden Farben und ihre Gegenspieler, die hellen Akzente aus Dunkelrosa, Weiß und Violett, sowie der sichtbare pastose Pinselstrich bestimmen den einnehmenden Charakter des Gemäldes. Die Farbe und ihr Auftrag lassen das Bild geradezu „vibrieren“. Der aus einem reichen Farbenteppich gestaltete Fond und die Schlagschatten der Blüten rechts im Bild, durch schwarze Striche eindrucksvoll markiert, entbehren nicht einer gewissen Dramatik und bringen das Arrangement insgesamt zum Leuchten.
Nach der Beschäftigung mit den „Köpfen“ und während der „Meditationen“ entstehen deratige späte Blumenstilleben, mit denen Jawlensky sein Schaffen am Ende seines Lebens krönt – trotz oder gerade auch aufgrund seiner fortschreitenden Lähmung und der offiziellen Verfemung im Jahr 1937.

Alexej von Jawlensky

Variation: Schneeflocken

1915
Öl auf leinwandstrukturiertem Papier, auf Karton aufgezogen
35 x 27 cm


Für Künstler bedeutet der Weg ins Exil zumeist ein Leben in finanzieller Not und unter künstlerischen Beschränkungen. Doch im Schaffen von Alexej von Jawlensky läutet gerade diese ungewisse Situation eine neue und bedeutende Werkphase, die von ihm sogenannten „Variationen über ein landschaftliches Thema“, ein.
Der Blick aus dem Fenster seiner Wohnung in Saint-Prex am Genfer See ist von nun an ein wiederkehrendes Motiv seiner Malerei. Anfangs noch am Naturvorbild angelehnt, erfährt es durch seine fortwährende Auseinandersetzung mit dem Naturthema eine starke Abstraktion, wie unser Blatt „Variation: Schneeflocken“ aus dem Jahr 1915 deutlich zeigt.

Über Alexej von Jawlensky

Geboren: 1864 in Torschok
Gestorben: 1941 in Wiesbaden

Im verhältnismäßig späten Alter von 25 Jahren beginnt Alexej von Jawlensky 1889 als ehemaliger Offizier der Militärhochschule mit seiner künstlerischen Ausbildung in St. Petersburg. Er studiert bei Ilja Repin und lernt Marianne von Werefkin sowie Helene Nesnakomoff, seine spätere Frau, kennen. Mit beiden siedelt er 1896 nach München über, um eine private Kunstschule zu besuchen. Hier begegnet er Wassily Kandinsky, mit dem sich eine intensive Freundschaft entwickelt. Der Künstler unternimmt zahlreiche Reisen nach Frankreich und stellt 1905 im „Salon d'autonomne“ 10 Gemälde aus. In Paris lernt Jawlensky auch Henri Matisse kennen, dessen Bilder im Stil des Fauvismus sein Schaffen zeitlebens beeinflussen. 1908 arbeitet er mit Kandinsky, Marianne von Werefkin und Gabriele Münter erstmals zusammen in Murnau. Hier entsteht auch die Idee zur Gründung der „Neuen Künstlervereinigung München“, zu der sich die vier Maler und andere Münchner Künstler 1909 zusammenschließen. 1911 wird der ‚Blaue Reiter’ als neue große Idee einer künstlerischen Zusammenarbeit ins Leben gerufen. 1913 nimmt Jawlensky am Ersten Deutschen Herbstsalon Herwarth Waldens in Berlin teil. Aufgrund des Ersten Weltkriegs siedelt er mit seiner Familie und Marianne von Werefkin an den Genfer See über, wo er 1918 mit seinen abstrakten Köpfen beginnt. 1921 lässt sich Jawlensky, unterstützt durch die Galeristin Hanna Bekker vom Rath, in Wiesbaden nieder. Eine schwere Arthritis-Erkrankung und eine Lähmung behindern den Maler seitdem. 1924 kommt es zur Gründung der Gruppe „Die Blauen Vier“ unter Mitwirkung von Kandinsky, Klee, Jawlensky und Feininger. 1933 wird Jawlensky von den Nationalsozialisten mit einem Ausstellungsverbot belegt. Im Jahr darauf beginnt er mit der Reihe der kleinformatigen „Meditationen“ – diese stillen, vergeistigten und mystischen Bilder des menschlichen Antlitzes sowie die expressionistisch verwendeten, symbolhaft-leuchtenden Farben sind kennzeichnend für sein Schaffen. 1937 werden 72 seiner Werke als ‚entartet’ beschlagnahmt. 1941 stirbt Jawlensky in Wiesbaden.