Abstrakter Kopf
Große Meditation: Fegefeuer I

Alexej von Jawlensky

Abstrakter Kopf

1934
Öl auf leinenstrukturiertem Papier, auf Karton aufgezogen
17 x 12,5 cm


1934 verläßt Jawlensky die Kraft seiner Malerhand, da er unter einer fortschreitenden Arthritis leidet. In dieser Zeit entsteht auch unser sehr schönes, in lichter Farbigkeit angelegtes Werk aus der Reihe der „Abstrakten Köpfe“, die zunächst noch die „Meditationen“ begleiten. Die Serie der „Abstrakten Köpfe“ ist ein in vielen Variationen vorliegender Typus des durch geometrische Formenelemente bestimmten Gesichts. Die Arbeiten sind – wie auch unser Kunstwerk - gekennzeichnet durch wellenförmige, pastose und farbige Striche, die gerade oder diagonal verlaufen und nicht klar umrissen sind. Der Kopf, der sich daraus bildet, ist geneigt, mal nach Links oder Rechts, und betont dadurch die Bilddiagonale. Den Hintergrund der Komposition bildet ein weiß-grauer, ansatzweißer auch bunt getönter Fond, so daß sich die bunt gemischten Farben deutlich davon absetzen.

"In seiner Analyse des Menschenantlitzes, der Zerlegung in die rein abstrakten Verhältnisse der Maske, hört der Mensch auf, im organischen Sinne zu sein und wird auf einen rein geistigen Bezug, abgeschirmt gegen jeden Kontakt nach außen, konzentriert." (Hans Hofstätter).

Alexej von Jawlensky

Große Meditation: Fegefeuer I

1937
Öl auf Papier, auf festem Malkarton kaschiert und auf Hartfaserplatte montiert
25,2 x 16,5 cm


Anders als vielen seiner Zeitgenossen geht es Alexej von Jawlensky in seiner Malerei nicht darum, alles der reinen Abstraktion zu unterwerfen. Er konzentriert sich auf ein spezifisches Sujet, nämlich das Gesicht. Dieses Thema bearbeitet er außergewöhnlich intensiv – von seinem rund 2000 Bilder umfassenden Œuvre behandeln etwa 1500 Gemälde das menschliche Antlitz. Er untersucht das ästhetische wie religiöse Potential dieses Motivs in drei großen Serien: den „Abstrakten Köpfen‟, den „Heilandsgesichtern‟ und schließlich den „Meditationen‟, die er 1934 als Siebzigjähriger, seit Jahren von Arthritis gezeichnet, beginnt.
Unsere „Große Meditation" von 1937 verdeutlicht besonders eindringlich Jawlenskys Bestreben, das Sichtbare mit dem Geistigen zu vermählen.

Über Alexej von Jawlensky

Geboren: 1864 in Torschok
Gestorben: 1941 in Wiesbaden

Im verhältnismäßig späten Alter von 25 Jahren beginnt Alexej von Jawlensky 1889 als ehemaliger Offizier der Militärhochschule mit seiner künstlerischen Ausbildung in St. Petersburg. Er studiert bei Ilja Repin und lernt Marianne von Werefkin sowie Helene Nesnakomoff, seine spätere Frau, kennen. Mit beiden siedelt er 1896 nach München über, um eine private Kunstschule zu besuchen. Hier begegnet er Wassily Kandinsky, mit dem sich eine intensive Freundschaft entwickelt. Der Künstler unternimmt zahlreiche Reisen nach Frankreich und stellt 1905 im „Salon d'autonomne“ 10 Gemälde aus. In Paris lernt Jawlensky auch Henri Matisse kennen, dessen Bilder im Stil des Fauvismus sein Schaffen zeitlebens beeinflussen. 1908 arbeitet er mit Kandinsky, Marianne von Werefkin und Gabriele Münter erstmals zusammen in Murnau. Hier entsteht auch die Idee zur Gründung der „Neuen Künstlervereinigung München“, zu der sich die vier Maler und andere Münchner Künstler 1909 zusammenschließen. 1911 wird der ‚Blaue Reiter’ als neue große Idee einer künstlerischen Zusammenarbeit ins Leben gerufen. 1913 nimmt Jawlensky am Ersten Deutschen Herbstsalon Herwarth Waldens in Berlin teil. Aufgrund des Ersten Weltkriegs siedelt er mit seiner Familie und Marianne von Werefkin an den Genfer See über, wo er 1918 mit seinen abstrakten Köpfen beginnt. 1921 lässt sich Jawlensky, unterstützt durch die Galeristin Hanna Bekker vom Rath, in Wiesbaden nieder. Eine schwere Arthritis-Erkrankung und eine Lähmung behindern den Maler seitdem. 1924 kommt es zur Gründung der Gruppe „Die Blauen Vier“ unter Mitwirkung von Kandinsky, Klee, Jawlensky und Feininger. 1933 wird Jawlensky von den Nationalsozialisten mit einem Ausstellungsverbot belegt. Im Jahr darauf beginnt er mit der Reihe der kleinformatigen „Meditationen“ – diese stillen, vergeistigten und mystischen Bilder des menschlichen Antlitzes sowie die expressionistisch verwendeten, symbolhaft-leuchtenden Farben sind kennzeichnend für sein Schaffen. 1937 werden 72 seiner Werke als ‚entartet’ beschlagnahmt. 1941 stirbt Jawlensky in Wiesbaden.