Farbige Landschaft
Forio
Marokkanische Festung
Schlucht
Südliche Gartenlandschaft (verso: Tuschfeder-Studie zum Gemälde

Eduard Bargheer

Farbige Landschaft

1958
Aquarell auf gräulichem Bütten
23 x 32,5 cm


Bargheer, fast fünfzigjährig, findet um 1950 seinen reifen Stil. In diesen Jahren werden seine Werke zunehmend abstrakter, wie unser Bild zeigt. Die „Farbige Landschaft“ scheint in ihrer Leichtigkeit und Transparenz die Formen aus Licht zu gestalten: die zarten Farbfelder gehen hier vorsichtige Verbindungen ein, sind dort von ausgesparten Papierflächen und -stegen luftig durchbrochen. Die Landschaft wird in einem abstrahierten Formengewebe auf das Papier gebannt, wobei die Atmosphäre des erlebten Augenblicks eine Steigerung zu erfahren scheint.

Eduard Bargheer

Forio

1953
Aquarell und Gouache über Bleistift auf dünnem Maschinenbütten (Wz. INGRES [MADE IN ITALY] C.M. FABRIANO)
48,3 x 62,4 cm


Die Faszination für den Süden zieht sich wie ein roter Faden durch das künstlerische Schaffen Eduard Bargheers. Seit seiner ersten Italien-Reise im Jahr 1925 wird ihm der Stiefel im Mittelmeer ein Sehnsuchtsort; später schließlich auch Zuflucht, als die politischen Verhältnisse den Künstler 1939 veranlassen, Deutschland den Rücken zu kehren. So wird das kleine Örtchen Forio auf der Insel Ischia für einige Jahre seine neue Heimat. Das Licht des Südens, die elementare Formenwelt der Vegetation, die Anmutung der Landschaft geben dem in Finkenwerder geborenen Künstler immer wieder Anlaß für neue Bildschöpfungen, wie auch in unserem farbfrischen Aquarell von 1953.

Eduard Bargheer

Marokkanische Festung

1961
Aquarell auf Papier
21 x 30 cm


Voller Begeisterung über den fremdländischen Zauber Afrikas ist es erneut die Landschaft, sind Oasen und Wüsten das Hauptthema während Bargheers erster Marokko-Rundreise 1961. Nach der Tunesien-Erfahrung 1960 bildet sie die Fortsetzung der zahlreichen Aufenthalte des Künstlers in Afrika bis 1968. Die nordafrikanischen Farb- und Lichtphänomene beschreibt Bargheer als gesteigertes „Licht-Erlebnis“. In diesem Sinne auf den Spuren von Paul Klee, August Macke und Louis Moilliet, fragt sich der reisende Künstler, wie die starken Lokalfarben eines Macke im Verhältnis zu den blassen Tönen eines Moilliet aus dem gleichen Augenerlebnis stammen können? Bargheer kommt zu ganz eigenen Erkenntnissen und bildnerischen Lösungen, denn jeder finde genau jenes Licht wieder, „das er in sich mitbringt oder aber zum ersten Mal erlebt […].“

So ist die Gestaltung unserer fast monochromen „Marokanische Festung“ ein Ergebnis jener „blendenden Lichtfülle, die, alle Lokalfarbe zerstörend, ein neues Farbmedium schafft“ , nämlich „alle Spielarten warmer Klänge, vom hellsten Neapelgelb über Ocker bis zum Orange, dazu alle Varianten von Siena bis zum Rostrot, ja, Sepia und Umbra“. Das zarte erdfarbene und kräftige rot-bräunliche Kolorit wirkt fast metallisch; die Töne haben einen magischen, seidigen Schimmer, der an Kupfer erinnert. Die Punkte, Dreiecke und Kuben fügen sich in verschiedene Richtungen ineinander und umschreiben in ihrer besonderen Farbigkeit das wüstenartige Terrain sowie die Festungsarchitektur. Sie sind abstrakte, ornamentale Metaphern für die karge Bebauung, den Sand und Staub einer endlosen Landschaft. Durch das Erlebnis Afrika erreicht Bargheer die höchste Verwirklichung seiner farblichen und formalen Bildgestaltung mit einem erstaunlichen, fortgeschrittenen Maß an Abstraktion.

Eduard Bargheer

Schlucht

1955
Aquarell auf hauchdünnem Maschinenbütten
21,7 x 27,9 cm


Wie sehr Eduard Bargheer von der Natur stimuliert wurde beweist unser mit „Schlucht“ benanntes Blatt: Vielschichtig, klein- und großflächig, mit unzähligen Form- und Farbvarianten zeichnet er die Vegetation, Landschaft, Hügel, den fernen Horizont. Dem Titel entsprechend greift er Tiefe, Ferne, Räumlichkeit in dieser Arbeit zwar auf, doch ist dem Künstler wie in all seinen Aquarellen mehr an der flächenhaften Struktur des Bildes gelegen. Die Dimensionen schmelzen in einem losen Netz aus luftigen Farbfeldern zusammen. Die Linien leiten, benennen, fixieren, geben Anhaltspunkte; die zarten, flüssig aufgetragenen Wasserfarben befreien und lösen das Gedachte wieder auf. So entsteht ein dynamisches Wechselspiel als Sinnbild für eine transitorische Wirklichkeit. Bargheer schenkt uns seinen lyrischen Blick auf das Gesehene, bereichert um eine metaphysische Dimension.

Eduard Bargheer

Südliche Gartenlandschaft (verso: Tuschfeder-Studie zum Gemälde "Fischer am Strand")

1949
Öl auf Bütten (Wz.: Ingres)
45 x 63 cm


Die reichhaltigen Impressionen auf Ischia, einer Welt aus einfachen urwüchsigen Pflanzen, Bäumen und Häusern, vulkanischen Landschaften, Bergen, der Küste und dem Meer, führen bei Bargheer zu einer Intensivierung des Sehens und weiteren Auseinandersetzung mit den elementaren Kräften der Natur.
In dünnflüssigen Ölfarben gemalt, vermittelt uns die "Südliche Gartenlandschaft" auf wunderbare Weise alle Facetten dieser immer wieder faszinierenden Region. Der Künstler animiert uns, genau hinzuschauen, in das Eigenleben der organischen Formen der Vegetation und ihren mannigfachen optischen Assoziationen zu vertiefen.
Mit der gleichen Vehemenz des Erlebens hat Bargheer die dunkeltonigen grünen, blauen und violetten Töne aufgetragen; jedes Motiv, jede Form ist ein wichtiges Glied des Ganzen, der kosmischen Ordnung.
Die Gegenstände verselbständigen sich und sind nicht mehr entzifferbar - und doch schwebt uns gleichzeitig das wirkliche Sehbild, das Bargheer in seine eigene Sprache übersetzt, vor Augen.

Über Eduard Bargheer

Geboren: 1901 in Hamburg
Gestorben: 1979 in Hamburg

Nach einer Mal- und Zeichenausbildung an der Kunstgewerbeschule Hamburg-Lerchenfeld 1918 und nach Abschluss des Lehrerseminars 1924 beginnt Bargheer sein Studium an der Kunstschule Gerda Koppel als Schüler von Friedrich Ahlers-Hestermann. 1929 wird er Mitglied der Hamburger Sezession. Durch ein Stipendium kann er sich 1933 einen längeren Parisaufenthalt mit einem eigenen Atelier finanzieren. Im Herbst 1935 besucht Bargheer die italienische Insel Ischia, die er fortan jährlich bereist und wo er in den folgenden Jahren die Maler Werner Gilles und Rudolf Levy kennen lernt und sich künstlerisch anregende Freundschaften entwickeln. 1935 macht er die Bekanntschaft mit Paul Klee, den er ein Jahr später in Bern besucht. Die kriegsbedingte Übersiedlung des Künstlers 1939 nach Foro d'Ischia führt zu einem stilistischen Wandel. Die Werke seiner Italienzeit zeigen eine deutliche Hinwendung zur Abstraktion und zeichnen sich durch eine leuchtende Farbigkeit aus, wie sie in vielen seiner lebendigen, mosaikartigen Aquarellen deutlich wird. Erst 1950 kommt er zurück nach Deutschland, wo 1953 in der Kestner-Gesellschaft Hannover eine erste Retrospektive stattfindet. Es folgen Lehraufträge als Gastdozent und Professuren an den Universitäten in Berlin, Hamburg und Rom.
Zum 75. Geburtstag des Künstlers wird 1976 die große Retrospektive im Hamburger Kunsthaus eröffnet und die Eduard Bargheer-Stiftung zur Förderung junger Künstler ins Leben gerufen. Drei Jahre später stirbt der Maler mit 78 Jahren in seiner Geburtsstadt Hamburg-Finkenwerder.