Fischer mit Netzen
Landschaft mit Schlucht
Erwachender Frühling
Scirocco

Eduard Bargheer

Fischer mit Netzen

1965
Aquarell auf Velin
33,5 x 45 cm


Bargheer wächst in der Umgebung von Marsch und Elbe auf. So erlebt er intensiv die Arbeit und Gesellschaft der Fischer seines Heimatortes Finkenwerder bei Hamburg.
Daher ist es nicht vewunderlich, daß Bargheer das Motiv des Angelns und Fischens immer wieder aufgreift, sei es in Gemälden, Aquarellen oder Graphiken.
Unsere Papierarbeit ist vermutlich eine Vorlage für die im gleichen Jahr gestaltete Lithographie "Fischer mit Netzen" (WVZ Rosenbach, Nr. 217).
In unserem Bild vertieft Bargheer sich in die Wiedergabe von drei Fischern, die noch in ihren Booten sitzend, ihre Netze betrachten und ordnen. Wie kaum ein anderer Künstler weiß er das Medium Aquarell zu nutzen, um Formen in ihrer Leichtigkeit und Transparenz auf das Blatt zu bannen. Alles ist in eine monochrome, violett und rosa bis bräunlich schimmernde Farbigkeit getaucht – am Rand der Netze blitzen rote Tupfer als dynamische Akzente hervor.
Unser Werk beweist einmal mehr, daß Eduard Bargheer einer der großen Aquarellisten seiner Zeit ist. Er bleibt dem Gegenstand trotz neu aufkeimender Kunstströmungen der Nachkriegszeit konsequent treu und schafft so künstlerisch einen einzigartigen, immer wieder faszinierenden Kontrapukt zum mainstream.

Eduard Bargheer

Landschaft mit Schlucht

1959
Aquarell auf Bütten
31 x 48,4 cm


Wie sehr Eduard Bargheer von der Natur stimuliert wird, beweist unser vielschichtiges Blatt. Bargheer ist bereits seit den 1950er Jahren zum sog. "reifen" Stil gelangt und stellt im Jahr der Entstehung unseres Aquarells zum zweiten Mal auf der documenta in Kassel aus.
Dem Titel entsprechend greift er das Phänomen der Räumlichkeit in dieser Arbeit zwar auf, doch ist dem Künstler wie in all seinen Aquarellen mehr an der flächenhaften Struktur des Bildes gelegen. Die Dimensionen von Raum, Gegenstand und Licht schmelzen in einem kohärenten Zusammenspiel aus luftigen Farbfeldern, Mustern und Strichbahnen zusammen. Motive können sich nur leicht erahnen lassen, wage Assoziationen werden beim Betrachter entfacht. Doch die zarten, flüssig aufgetragenen Wasserfarben befreien und lösen das Gedachte wieder auf. Bargheer schenkt uns seinen lyrischen Blick auf die tatsächlich gesehene Landschaft mit einer "Schlucht", bereichert um eine metaphysische Dimension.

Eduard Bargheer

Erwachender Frühling

1955
Aquarell auf leicht strukturiertem Bütten
22,4 x 32,4 cm


Eduard Bargheer ist für seine gewebeartig strukturierten Aquarelle der 1950er Jahre bekannt. In der abstrahierenden Bildgestaltung werden elementare Formzeichen zu Symbolen einer gesehenen und reflektierten Wirklichkeit. Auf diese Art und Weise soll das formale Beziehungsgeflecht der Gegenstandswelt sichtbar werden. Im Entstehungsjahr dieser Arbeit, 1955, ist Bargheer aufgrund seiner Bedeutung für die Balance zwischen Abstraktion und Gegenständichkeit Teilnehmer der "documenta 1" in Kassel. Unsere Arbeit, die gänzlich ohne Bleistiftvorzeichnung auskommt, ist ein wunderbares Beispiel für diese Kunst und jene Gratwanderung.
Die exotischen Pflanzen verkörpern geradezu symbolisch den "erwachenden Frühling" seiner geliebten Insel Ischia und verdeutlichen einmal mehr, wie sehr sich der Maler der südlichen Atmosphäre des Mediterranen hingibt.

Eduard Bargheer

Scirocco

1967
Aquarell auf weichem Bütten (mit Wasserzeichen)
21,5 x 31,5 cm


Eduard Bargheers Motiv ist ein südlicher Garten auf Ischia, dessen Pflanzen und Bäume bei abendicher Stimmung den heißen Sahara-Winden des "Scirocco" ausgesetzt sind. Die Formen unseres Aquarells scheinen sich in ihrer Leichtigkeit und Transparenz aus Licht und Schatten zu gestalten: Die zarten Farbfelder gehen hier vorsichtige Verbindungen ein, sind dort von ausgesparten Papierflächen und -stegen luftig durchbrochen. Die Gartenlandschaft wird in einem abstrahierten Formengewebe auf das Papier gebannt, wobei Bargheer wie kaum ein anderer Künstler dieser Zeit das Medium Aquarell zu nutzen weiß, um Formen in ihrer Leichtigkeit und Transparenz zu gestalten.

Über Eduard Bargheer

Geboren: 1901 in Hamburg
Gestorben: 1979 in Hamburg

Nach einer Mal- und Zeichenausbildung an der Kunstgewerbeschule Hamburg-Lerchenfeld 1918 und nach Abschluss des Lehrerseminars 1924 beginnt Bargheer sein Studium an der Kunstschule Gerda Koppel als Schüler von Friedrich Ahlers-Hestermann. 1929 wird er Mitglied der Hamburger Sezession. Durch ein Stipendium kann er sich 1933 einen längeren Parisaufenthalt mit einem eigenen Atelier finanzieren. Im Herbst 1935 besucht Bargheer die italienische Insel Ischia, die er fortan jährlich bereist und wo er in den folgenden Jahren die Maler Werner Gilles und Rudolf Levy kennen lernt und sich künstlerisch anregende Freundschaften entwickeln. 1935 macht er die Bekanntschaft mit Paul Klee, den er ein Jahr später in Bern besucht. Die kriegsbedingte Übersiedlung des Künstlers 1939 nach Foro d'Ischia führt zu einem stilistischen Wandel. Die Werke seiner Italienzeit zeigen eine deutliche Hinwendung zur Abstraktion und zeichnen sich durch eine leuchtende Farbigkeit aus, wie sie in vielen seiner lebendigen, mosaikartigen Aquarellen deutlich wird. Erst 1950 kommt er zurück nach Deutschland, wo 1953 in der Kestner-Gesellschaft Hannover eine erste Retrospektive stattfindet. Es folgen Lehraufträge als Gastdozent und Professuren an den Universitäten in Berlin, Hamburg und Rom.
Zum 75. Geburtstag des Künstlers wird 1976 die große Retrospektive im Hamburger Kunsthaus eröffnet und die Eduard Bargheer-Stiftung zur Förderung junger Künstler ins Leben gerufen. Drei Jahre später stirbt der Maler mit 78 Jahren in seiner Geburtsstadt Hamburg-Finkenwerder.