Buhnen am Jershöfter Strand

Karl Schmidt-Rottluff

Buhnen am Jershöfter Strand

1921
Aquarell über Tuschfeder auf leichtem Karton (Postkarte)
10,3 x 15,4 cm


"Herzlichste Grüsse von unserm Ostseestrand. Wie geht es Ihnen auf Ihrer Reise? Hier ist es wieder sehr schön. Ihre Emy Schmidt-Rottluff. Wer war der junge österreichische Maler, den Sie mir in Berlin zuschickten? Schönste Grüsse Ihr S.R.", schreibt der Künstler 1921 an das befreundete Ehepaar Viktor und Hedda Peters aus Leipzig. In dem kleinen Fischerdorf Jershöft in Hinterpommern an der Ostsee verbringen Emy und Karl Schmidt-Rottluff ab 1920 ihre Sommermonate. Der "Brücke"-Künstler ist fasziniert von den Besonderheiten und Merkmalen des Ortes und seiner Umgebung. Auf unserer Postkarte hält er den Bau von Buhnen fest, die zur Begrenzung des Küstenabbruchs die Kraft der Wellen brechen sollen.

Über Karl Schmidt-Rottluff

Geboren: 1884 in Rottluff b. Chemnitz
Gestorben: 1976 in Berlin

Karl Schmidt-Rottluff wird am 1.12.1884 in Rottluff als Sohn eines Mühlenwerkführers und dessen Frau geboren.
Nach dem Examen entscheidet sich der junge Abiturient, der schon während der Schulzeit zeichnet, zum Studium der Architektur. In Dresden lernt er Erich Heckel, Fritz Bleyl und Ernst Ludwig Kirchner kennen, mit denen er die Künstlervereinigung „Brücke“ ins Leben ruft. Schmidt-Rottluff will endgültig eine Künstlerlaufbahn einschlagen, im selben Jahr lernt er den Künstler Emil Nolde kennen, der ihn auf die Insel Alsen einläd, wo Karl Schmidt-Rottluff seine ersten Bilder malt. In dieser Umgebung findet er auch zu seinem stark vereinfachenden Stil, der sich vor allem auch in den Holzschnitten zeigt.
1909 erscheint die erst Graphikmappe der „Brücke“, die ihm allein gewidmet ist. 1911 verläßt er Dresden, lebt zuerst in Norwegen und dann in Berlin, wo er bis 1933 wohnt. Am 27. Mai 1913 löst sich die „Brücke“ auf. 1915 wird er zum Kriegsdienst eingezogen und kann glücklicherweise im November 1918 nach Berlin zurückkehren.
Durch zahlreiche Verkäufe an Museen und private Sammler verbessert sich seine finanzielle Lage, so daß er Auslandsreisen unternehmen kann.
Seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten erreicht die Diffamierung durch die Nationalsozialisten 1937 ihren Höhepunkt. Schmidt-Rottluffs Werke werden in der Ausstellung „Entartete Kunst“ ausgestellt, 1941 erhält er das Malverbot.
1946 nimmt Karl Schmidt-Rottluff alte Kontakte zu Freunden auf und beginnt größere Bilderreihen anzufertigen. Am ersten Oktober 1947 beginnt er seine Lehrtätigkeit als Professor an der Berliner Hochschule für bildende Künste. Dort arbeitet er bis zur Emeritierung 1954. 1975, ein Jahr vor seinem Tod, wird er zum Pflegefall. Er stirbt am 10. August 1976 in Berlin.