Waldlandschaft

Karl Schmidt-Rottluff

Waldlandschaft

1923
Aquarell, Gouache und Tusche auf Bütten
68,5 x 48,5 cm


Bäume, Baumgruppen und der Wald stellen im Werk von Karl Schmidt-Rottluff ein häufig wiederkehrendes Motiv dar, vom Beginn bis zum Ende seines Schaffens.
Und immer wieder verbindet der Künstler ein Baummotiv – wie in unserer Waldlandschaft – mit der aufgehenden, hinter dem Horizont am Himmel hervorblitzenden Sonne.
Die dunklen großen Nadelbäume und ihre Schatten im rechten Bereich der Darstellung sowie die braunen Markierungen des Weges im Vordergrund bilden einen kontrastreichen Gegenpol zu den gelben, blauen und ockerfarbenen Tönen im linken, oberen Teil des herrlich farbfrischen, großformatigen Aquarells. Die typische künstlerische Handschrift Schmidt-Rottluffs wird im kraftvollen Pinselduktus und der Kühnheit der Komposition manifest. In den 1920er Jahren, als der Künstler jährlich die Sommermonate im hinterpommerschen Jershöft verbringt, könnte er dieses poetische Motiv einer „Waldlandschaft“ kurz hinter den Dünen selbst erlebt und in sich aufgenommen haben.
Will Grohmann beendet seine Ausführungen im Werkverzeichnis mit einem fast prophetisch anmutenden Schlußwort, welches auch dieses Werk charakterisiert: “Der Gleichklang mit der Natur […] ist bei Karl Schmidt-Rottluff nicht weniger durch die Kunst bedingt als durch die Wirklichkeit […] denn von den ersten Bildern an hielten sich Imagination und Natur die Waage […]“.

Über Karl Schmidt-Rottluff

Geboren: 1884 in Rottluff b. Chemnitz
Gestorben: 1976 in Berlin

Karl Schmidt-Rottluff wird am 1.12.1884 in Rottluff als Sohn eines Mühlenwerkführers und dessen Frau geboren.
Nach dem Examen entscheidet sich der junge Abiturient, der schon während der Schulzeit zeichnet, zum Studium der Architektur. In Dresden lernt er Erich Heckel, Fritz Bleyl und Ernst Ludwig Kirchner kennen, mit denen er die Künstlervereinigung „Brücke“ ins Leben ruft. Schmidt-Rottluff will endgültig eine Künstlerlaufbahn einschlagen, im selben Jahr lernt er den Künstler Emil Nolde kennen, der ihn auf die Insel Alsen einläd, wo Karl Schmidt-Rottluff seine ersten Bilder malt. In dieser Umgebung findet er auch zu seinem stark vereinfachenden Stil, der sich vor allem auch in den Holzschnitten zeigt.
1909 erscheint die erst Graphikmappe der „Brücke“, die ihm allein gewidmet ist. 1911 verläßt er Dresden, lebt zuerst in Norwegen und dann in Berlin, wo er bis 1933 wohnt. Am 27. Mai 1913 löst sich die „Brücke“ auf. 1915 wird er zum Kriegsdienst eingezogen und kann glücklicherweise im November 1918 nach Berlin zurückkehren.
Durch zahlreiche Verkäufe an Museen und private Sammler verbessert sich seine finanzielle Lage, so daß er Auslandsreisen unternehmen kann.
Seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten erreicht die Diffamierung durch die Nationalsozialisten 1937 ihren Höhepunkt. Schmidt-Rottluffs Werke werden in der Ausstellung „Entartete Kunst“ ausgestellt, 1941 erhält er das Malverbot.
1946 nimmt Karl Schmidt-Rottluff alte Kontakte zu Freunden auf und beginnt größere Bilderreihen anzufertigen. Am ersten Oktober 1947 beginnt er seine Lehrtätigkeit als Professor an der Berliner Hochschule für bildende Künste. Dort arbeitet er bis zur Emeritierung 1954. 1975, ein Jahr vor seinem Tod, wird er zum Pflegefall. Er stirbt am 10. August 1976 in Berlin.