Ohne Titel

Hann Trier

Ohne Titel

1969
Farbkreide auf Velin
17 x 23,5 cm


Hann Triers‘ ausdrucksstarke Kreidezeichnung entsteht 1969 in spürbarer Auseinandersetzung mit den Einflüssen des Informel. Trier, der sich schon früh von klassischen Form- und Kompositionsprinzipien abwendet, ist fasziniert von der Idee, ein Werk prozessual entstehen zu lassen, ohne Berücksichtigung dessen, was beim Akt des Zeichnens übrig bleibt. Auch in der vorliegenden Arbeit wird diese Haltung deutlich: Die abstrakte Bildkomposition entfaltet sich frei und ungehemmt über das gesamte Blatt und wirkt trotz ihrer wechselnden Form und starken Kontrasten in der Farblichkeit als ein spürbar harmonisches Ganzes.

Über Hann Trier

Geboren: 1915 in Kaiserswerth
Gestorben: 1999 in Castiglione della Pescaia

Hann Trier wird am 1. August 1915 unter dem Namen Hans Gerhard Franz Trier als erstes Kind von Johann und Helene Trier in Kaiserswerth bei Düsseldorf geboren. Im Alter von vier Jahren zieht die Familie nach Köln um, zurück an den Ort, an dem sich seine Eltern 1914 kennen gelernt haben. Ein Jahr später wird sein Bruder Eduard geboren, von dem der Künstler den Kosenamen „Hann“ erhält. Schon als junger Schüler musikalisch veranlagt und künstlerisch gefördert, zeichnet er als schon Jugendlicher in schneller Folge mit Aquarellpinsel und Feder, inspiriert durch regelmäßige Besuche der Kölner Kunstmuseen. 1934 nimmt Hann Trier im Alter von 19 Jahren das Kunststudium an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf bei Werner Heuse auf, das er 1939 in Berlin mit einem Staatsexamen abschließt. Schon früh unternahm er Studienreisen nach Frankreich und Italien. Im Zweiten Weltkrieg dient er als Soldat; zeitweilig wird er auch als technischer Zeichner in Berlin eingesetzt. Nach dem Militärdienst kehrt der Künstler 1946 ins Rheinland zurück und gründet mit seinen Künstlerfreunden Hubert Bercke und Joseph Fassbender die „Donnerstagsgesellschaft“. Weitere längere Studienreisen von 1952 bis 1955 durch Nord- und Südamerika beeinflussen seine künstlerische Entwicklung stark: Er erprobt das beidhändige Malen mit zwei Pinseln als gleichzeitig wiederholte Bewegung, das sich schon bald als Formprinzip entwickeln sollte. Nach seiner Rückkehr 1955 nimmt Trier eine Gastprofessur an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg an und wird zwei Jahre später an die Berliner Hochschule berufen, wo u.a. Georg Baselitz, Peter Klasen und Marwan bei ihm studieren. Zu seinem Freundeskreis gehören u.a. Max Frisch, Uwe Johnson und Bernhard Minetti. Zeit seines Lebens schafft Hann Trier mehr als 850 Arbeiten auf Leinwand, zahlreiche Aquarelle und über 150 druckgrafische Arbeiten, die sowohl in Europa als auch auf beiden amerikanischen Kontinenten regelmäßig ausgestellt werden. 1999 stirbt der Künstler in Italien.