Schlafendes Mädchen
Stehender Akt

Karl Hofer

Schlafendes Mädchen

Um 1925
Bleistift, partiell gewischt, auf Velin
41,8 x 62,2 cm


Über Jahrzehnte hinweg beschäftigt den Maler Karl Hofer das Thema der liegenden und ruhenden Frauengestalten. Dabei strahlen sie eine Kontemplation und nicht selten eine geheimnisvolle Melancholie aus.

Seit Mitte der 1920er Jahre verbringt Hofer die Sommermonate im Tessin. Dort ist vermutlich auch unsere „Schlafende“ entstanden. Subtil hält der Künstler die auf der Seite liegende, unbekümmert schlummernde junge Frau fest. Fast schwebend erscheint uns so die Ruhende und wirkt dadurch umso freier und sorgloser. Die schläfrig machende Wärme des sommerlichen Ortes, in dem Hofer sich befindet, ist geradezu spürbar.

Karl Hofer

Stehender Akt

Um 1940
Bleistift auf festem Velin
27,8 x 13,6 cm


Die Zeichnung eines weiblichen Aktes in tänzerischer Pose und betonter Körpersprache spiegelt die Tendenzen des modernen Ausdruckstanzes Anfang des 20. Jahrhunderts wider. Karl Hofer ist fasziniert vom Tanz der Moderne, den er u.a. in Berlins Tanztheaterm, Revuen und Varietés immer wieder erlebt. Unser intimes Blatt zeigt jedoch vor allem die nachdenkliche Konzentration und seelische Beteiligung der Dargestellten, nicht etwa die freie, unbeschwerte Bewegung.

Über Karl Hofer

Geboren: 1878 in Karlsruhe
Gestorben: 1955 in Berlin

Als Sohn eines Militärmusikers wird Karl Hofer im Oktober 1878 in Karlsruhe geboren - er verbringt seine Kindheit im Waisenhaus. Mit 14 Jahren wird Hofer Lehrling in einer Verlagsbuchhandlung. Die Arbeitsabfälle der Druckerei und Lithographien inspirieren den bereits in früher Jugend an Kunst und Literatur Interessierten zur Zeichnung und zum Aquarell. Mit einem Stipendium kann Hofer schließlich 1897 das Studium an der Karlsruher Akademie aufnehmen. Bis 1901 ist er Schüler von Poetzelberger, Kalckreuth und Thoma - Lehrer, von denen er wenig Anregungen für sein ambitioniertes 'Kunstwollen' bekommt;
1901 unternimmt Hofer eine Studienreise nach Paris, wo er den Louvre besucht und u.a. intensiv Cézanne studiert und rezipiert. Dort lernt er auch den einflußreichen Kunstkritiker Julius Meier-Graefe kennen, der ihn fördert und ihn mit bedeutenden Privatsammlungen bekannt macht. Ab 1903 geht der inzwischen verheiratete Hofer nach Rom, wo seine Malerei vor allem den Einfluß des Symbolisten Arnold Böcklin zeigt. Nach weiteren fünf Jahren in Paris entscheidet der inzwischen als Künstler etablierte Hofer sich für Berlin als Ort des Schaffens. Im Kriegsjahr 1914 Jahr wird er in Frankreich interniert und kehrt erst 1920 nach Deutschland zurück.
1922 folgt der Ruf für eine Professur an der Kunsthochschule in Berlin-Charlottenburg, 1923 ist er Mitglied der Preußischen Akademie der Künste. Während des Dritten Reiches wird Hofers Kunst als 'entartet' erklärt, 1933/34 wird er vom Dienst suspendiert und seine Arbeiten 1937 in der Münchner Ausstellung 'Entartete Kunst' gezeigt. Bis zu seinem Tod 1955 lebt Hofer in Berlin und nimmt das Amt des Direktors an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin wahr. Hofers Werk, das seinen Ausgang bei Marées' klassischer Bildwelt nimmt, die er mit Einflüssen von Cézanne kombiniert, nähert sich unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs an die Neue Sachlichkeit an.